Hauptstadtkongress 2011

Donnerstag, 20. Januar, 2011 17:24 Uhr
Von: "Horst, Andre" <Andre.Horst (at) ukb.de>
An: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Sehr geehrter Herr Zimmermann,

seit mehr als zehn Jahren organisiert Herr Senator a. D. Ulf Fink den Hauptstadtkongress, der jeweils im ICC Berlin durchgeführt wird und an dem gut 8.000 Personen teilnehmen. Es handelt sich um die Entscheider im Gesundheitswesen.

Professor Ekkernkamp hat die wissenschaftliche Leitung des Deutschen Ärzteforums im Rahmen dieses Kongresses.

Wegen der Aktualität des Themas möchten wir gern am Donnerstag, den 12.05.2011 in der Zeit von 16:15 bis 18:00 Uhr eine Sitzung mit dem Arbeitstitel: "Eine Frage der Hygiene" durchführen.

Es wäre uns Ehre und Freude, wenn Sie einen Vortrag zur aktuellen Entwicklung der Hygiene in deutschen Krankenhäusern halten könnten.
Als Mitreferenten haben wir Frau Prof. Gastmeier von der Charité, Frau Flach von der FDP-Fraktion, Frau Willems von Johnson & Johnson angesprochen. Als Moderator wurde Herr Professor Exner, der Direktor des Hygieneinstituts in Bonn gefragt.

Weitere Informationen finden Sie unter www.hauptstadtkongress.de , natürlich stehe ich Ihnen sehr gern für Rückfragen zur Verfügung.
Über eine positive Reaktion würde ich mich freuen.

Freundliche Grüße
André Horst
Assessor jur.


 Von: Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit - Referenten <referenten (at) hauptstadtkongress.de>
Betreff: Deutsches Ärzteforum vom 11. - 13. Mai 2011 in Berlin
An: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Datum: Mittwoch, 9. Februar, 2011 19:08 Uhr

Sehr geehrter Herr Zimmermann,

ich danke Ihnen herzlich für Ihre Zusage, beim Deutschen Ärzteforum 2011 mit einem Vortrag mitzuwirken.

Ihr Vortrag zum Thema 'Wie schlecht ist es um die Hygiene in deutschen Krankenhäusern wirklich bestellt?' (Arbeitstitel) ist Teil der Veranstaltung "Eine Frage der Hygiene" am Donnerstag, 12.05.11, in der Zeit von 16:15 bis 18:00 Uhr.

Für die Erstellung der Programmmedien benötigen wir Ihre Mithilfe. Bitte prüfen Sie anhand des Informationsblattes (Anlage), ob die bei uns gespeicherten Angaben vollständig bzw. zutreffend sind und teilen Sie uns Änderungswünsche mit:

  • Ihren Vortragstitel

  • 3 Kernaussagen zu Ihrem Vortrag

  • Ihre derzeitige berufliche Positionsbezeichnung

  • Ihren Kurzlebenslauf und ein Foto

Ergänzende Unterlagen senden Sie bitte so bald wie möglich an referenten (at) hauptstadtkongress.de

Im März 2011 erhalten Sie zusammen mit dem ausführlichen Kongressprogramm weitere organisatorische Hinweise.

Für organisatorische Fragen steht Ihnen das Kongressbüro jederzeit unter den Telefonnummern 030 / 498550 -31/-32 zur Verfügung.

Bei Fragen inhaltlich-fachlicher Art wenden Sie sich bitte an Herrn André Horst, Unfallkrankenhaus Berlin (Tel.: 030 / 56 81 30 04, E-Mail: andre.horst (at) ukb.de).
Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.

Mit freundlichen Grüßen

Sylvia Kanzler
Servicecenter Kongresse


HAUPTSTADTKONGRESS BERLIN 2011


Deutsches Ärzteforum 2011
Donnerstag, 12. Mai 2011, 16:15 - 18:00
"Eine Frage der Hygiene"
Moderation Prof. Popp

Vortrag
"Wie schlecht ist es um die Hygiene in deutschen Krankenhäusern wirklich bestellt?"

Christian Zimmermann
-Präsident-
Allgemeiner Patienten-Verband e.V.

 

1.  Hygienemängel sind das größte Schadensrisiko für Patienten

Ignaz Semmelweis  - später als Retter der Mütter bezeichnet -  beendete seine ärztliche Karriere in der Irrenanstalt, weil seine Hygieneforderungen als Ausfluß einer geistigen Störung gewertet wurden. Für uns heute unvorstellbar, führten damals Ärzte gynäkologische Untersuchungen an Wöchnerinnen durch, nachdem sie zuvor Sektionen an Leichen vorgenommen und sich die Hände weder gewaschen noch desinfiziert hatten. Die Wöchnerinnen starben zu einem hohen Prozentsatz. Erst als Koch und Pasteur die Keime und deren Übertragungsmechanismus als Krankheitserreger nachgewiesen hatten, wurde Semmelweis rehabilitiert.

Nachfolgende Generationen werden unsere heutige, weitgehende Mißachtung von Hygieneregeln mit dem gleichen Grausen betrachten wie wir die Zustände zu Zeiten von Semmelweis.

Die aktuelle Hygienediskussion in der Bundesrepublik wurde insbesondere durch den Vorfall in der Universitätsklinik Mainz ausgelöst, bei der mehrere Babys durch verunreinigte Infusionslösungen erkrankten und teilweise starben. Die Verunreinigung soll allerdings durch einen Haarriß unter dem Etikett einer Infusionsflasche ausgelöst worden sein.

Von den iatrogenen  - also durch Ärzte verursachten -  Schäden zum Nachteil von Patienten mit Todesfällen und Körperverletzungen geht der größte einzelne Anteil auch heute noch auf Hygienemängel zurück. Die Hochrechnungen reichen bis zu 800 000 iatrogenen Infektionen pro Jahr in deutschen Kliniken und Praxen bei ca. 10 000 Toten als Folge dieser Hygienemängel.

Bei der Übersicht über die von Ärzten verursachten Schäden stehen Schäden durch Hygienemängel an der Spitze und es ergibt sich insgesamt folgendes Bild:

25.000 Medizin-Tote durch ärztliche Sorgfaltsmängel ("Kunstfehler") sind jedes Jahr in der Bundesrepublik bei insgesamt 100.000 Medizinschäden zu beklagen. Diese Zahlen hören sich zunächst schockierend und vor allem auch unglaubwürdig an, weil die Zahl der Medizin-Toten höher liegt als die Zahl der Verkehrstoten. Die genannten Zahlen sind aber gut belegt, wurden auch von der "Aktion Patientensicherheit", an der die Ärztekammer mitwirkt, in der Größenordnung bestätigt und ergeben sich aus wissenschaftlichen Hochrechnungen, so u.a.:

  • 10.000 Tote durch Hygienemängel in den Kliniken

  • 6.000 Tote durch nicht indizierte oder fehlerhafte Medikamenten-Verordnungen

  • 2.000 Tote durch Spätschäden unnötiger oder unsachgemäßer Röntgenstrahlen-Anwendungen

  • Die übrigen Todesfälle verteilen sich der Reihenfolge der Schwere und Häufigkeit nach auf die Fachgebiete der Anästhesie, der Geburtshilfe, der Chirurgie und der Orthopädie. Danach folgen die weniger risikoträchtigen Fachgebiete.

 Es kann kein ernsthafter Zweifel daran bestehen, daß die Medizinschäden eins der größten, wahrscheinlich sogar das größte Schadensgebiet in der Bundesrepublik sind. Das gilt zumindest für Personenschäden. Diese Tatsache ist in der Öffentlichkeit aber nicht hinreichend bekannt, weil Ausmaß und Häufigkeit von Behandlungsfehlern zu den bestgehütetsten Geheimnissen unseres Medizinbetriebs gehören. Prof. Ivan Illich kommt in seinem in alle Kultursprachen übersetzten Buch "Die Enteignung der Gesundheit" (englischer Originaltitel "Nemesis of Medicine") zu dem Schluß, daß unser Gesundheitswesen inzwischen zur größten Gefahr für unsere Gesundheit geworden ist und Prof. Thure von Uexküll schätzt, daß die Hälfte aller Krankheiten in den entwickelten Ländern überhaupt erst durch Ärzte verursacht werden.

Dazu zählen vorrangig die nosokomialen (durch Ärzte verursachten) Infektionen, die zum großen Teil  - teilweise sogar durch einfache Mittel -  vermeidbar wären.

Hier ließe sich zum Wohl der Patienten und zur Erhöhung der Sicherheit in Klinken und Praxen vieles zum Besseren wenden, wenn insbesondere die Grundsätze der Hygiene durchgängig beachtet würden, damit es nicht zu Infektionen kommt und diese sachgerecht bekämpft werden, wenn sie gleichwohl auftreten.

2. "Killerkeime" werden immer gefährlicher

Die ursprüngliche Macht der Antibiotika hat vielfach zu einem laxen Umgang mit Hygienestandards geführt. Der sorglose Umgang mit Antibiotica zeigt für Klinik und Praxis nunmehr aber zunehmend gefährliche Auswirkungen insbesondere bei der Resistenzentwicklung.

Bei der antibiotischen Behandlung geht es immer um einen Wettlauf zwischen Resistenzentwicklung der Bakterien und neuen, von der Forschung entwickelten Antibiotika. In Entwicklungsländern, die von der modernen Medizin bislang noch unberührt waren, wirkt Penicillin immer noch Wunder. Durch vielfach unsachgemäßen und/oder leichtfertigen Einsatz von Antibiotika in den Industrieländern wurde die Resistenzentwicklung erheblich gefördert.

Bei der ambulanten Behandlung wird in Deutschland generell zu schnell zu Medikamenten  - so auch zu Antibiotica -  gegriffen, weil dies der berüchtigten "3-Minuten-Medizin" entgegenkommt und der Erwartungshaltung vieler Patienten entspricht, die auf ein "Wundermittel" hoffen. Dabei würde in vielen Fällen eine gute ärztliche Beratung über eine gesundheitserhaltende Lebensführung und Stärkung der natürlichen Abwehrkräfte ausreichen und wäre weit besser für die Patienten. Allerdings wird dieses Vorgehen nicht oder nur unzureichend honoriert. In den Praxen findet auch vielfach keine gezielte Austestung der Infektionserreger statt, so daß die verordneten Antibiotika nicht wirken können oder aber durch von vornherein verordnete Breitbandantibiotika gleichsam "mit Kanonen auf Spatzen geschossen" wird.

Bei stationären Behandlungen erwerben viele Patienten die Keime erst bei ihrem Klinikaufenthalt. Es gab schon früher Problemkeime, die sich regelrecht in Kliniken eingenistet hatten und dort nicht mehr oder nur unter großen Schwierigkeiten zu beseitigen waren, wie z.B. Klebsiellen oder Pseudomonas aeruginosa. Aufsehen haben auch die Todesfälle durch Legionellen erregt, die sich wie Pseudomonas im warmen Wasser der Klinikleitungen aufhielten und schließlich erst durch intermittierende Temperatursteigerungen bis knapp unter den Siedepunkt abgetötet werden konnten.

In letzter Zeit ist es aber zu einer zunehmend gefährlichen Resistenzentwicklung der zunächst weniger gefährlichen Staphylokokkus aureus-Stämme gekommen, die auch gegen Methicillin resistent wurden  und deshalb als MRSA bezeichnet werden. Teilweise wird der Begriff nicht nur als "Methicillin-resistenter Staphylokokkus aureus", sondern auch als "Multi-resistenter Staphylokokkus aureus" interpretiert, weil dieser Killerkeim Resistenzen auch gegen andere Antibiotika entwickelt hat.

Weitere zunehmend gefährliche und gefürchtete "Killerkeime" sind

  • Vanocmycin- resistente Enterokokken (VRE)

  • Extended-Spektrum Beta-Lactamase (ESBL)  bildende
    • Escherichia coli und
    • Klebsiella pneumoniae

  • Clostridien bei der Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhoe (CDAD).

Durch diese gefährliche Entwicklung werden insbesondere schwer kranke, sehr junge und sehr alte Patienten  - u.a. auf Intensivstationen -  bedroht, deren Abwehrkräfte ohnehin geschwächt sind. Abhilfe kann nur durch strikte Beachtung der Hygieneregeln sowie durch eine klare Indikationsstellung bei konsequenter antibiotischer Therapie geschaffen werden,. Ein "kleines bischen Antibiose" ist ebenso absurd wie "ein kleines bischen schwanger". Es müssen ausreichende Spiegel des Antibioticum in Blut und Gewebe erreicht werden, um die Keime sicher abzutöten und Resistenzentwicklungen vorzubeugen, die insbesondere dann drohen, wenn mangels konsequenter Therapie ohne ausreichende Dosierung sodann Keime überleben können.

Salopp gesprochen sollte man nach klarer Indikationsstellung "nicht kleckern sondern klotzen", um ausreichende antibiotische Gewebespiegel zu erreichen.

3. Die Bundesrepublik ist Hygiene-Entwicklungsland.

Zwar werden heutzutage Hygieniker wegen ihrer Forderungen nicht mehr wie Semmelweis in die Psychiatrie eingeliefert, aber gleichwohl in der Bundesrepublik vielfach mit ihren berechtigten Forderungen nicht erst genommen. Trotz der zunehmenden Infektionsgefahren wurden Hygienelehrstühle abgebaut oder zusammengelegt. Die Vermittlung der Gefahren mangelnder Hygiene ist bereits bei Medizinstudenten unzureichend.

Während die Niederlande und Dänemark vorbildliche Hygiene-Einrichtungen mit Infektionsquoten bei MRSA im niedrigen einstelligen Bereich haben, liegen in der Bundesrepublik die Infektionsquoten im hohen einstelligen Bereich. Patienten aus der Bundesrepublik gelten z.B. in den Niederlanden als infektiöse Hochrisiko-Patienten und werden dort zunächst in Quarantäne gehalten, bis sich kein MRSA oder andere multiresistenten Keime mehr nachweisen lassen. Ständige Hygienekontrollen mit Abstrichen nicht nur an Patienten sondern auch an Ärzten und Pflegepersonal sorgen mit ggf. nachfolgender Quarantäne dafür, daß die Keime nicht durch Krankenhauspersonal weiterverbreitet werden können.

Eine Verbesserung der Hygiene in Klinken und Praxen ließe sich vielfach bereits durch einfache Maßnahmen erreichen. Nach einem Bonmot sind die 10 Regeln der Hygiene die 10 Finger von Ärzten und Pflegepersonal. Bei einem "Abklatsch" auf Agaragar-Nährböden mit nachfolgender Bebrütung läßt sich eindrücklich nachweisen, daß unsere Hände von Keimen geradezu wimmeln. Hier wäre bereits eine Verbesserung dadurch zu erreichen, daß das in Deutschland übliche ständige Händeschütteln eingeschränkt oder besser noch in Kliniken ganz  unterlassen würde. Die US-Amerikaner winken sich meist nur mit einem "Hi" oder "Hallo" freundlich zu.

Bis zu 80% der Infektionen werden durch Hände übertragen.

 Das Händeschütteln kann fatale Folgen insbesondere im Krankenhaus haben: Ein Patient kratzt sich am Gesäß und durch herzliches Händeschütteln, das die Verbundenheit des Arztes mit den Patienten unter Beweis stellen soll, verbreitet der Arzt sodann die Bakterien über die ganze Station. Keime, mit denen der Gesunde problemlos fertig wird, können für resistenzgeschwächte Patienten zur tödlichen Gefahr werden. Durch das Unterlassen des Händeschüttelns wirkt zwar dann vordergründig die Arzt-Patienten-Beziehung nicht ganz so herzlich. Es  kann aber den Patienten unter den o.a. Gesichtspunkten plausibel erklärt werden, daß es dafür gute Gründe gibt.

Bei Patientenkontakten sollten dünne Einmal-Handschuhe übergezogen und nach dem Kontakt mit dem betreffenden Patienten verworfen werden. Bei geringer Beanspruchung genügen die leichtesten Einmal-Handschuhe (z.B. aus Polyäthylen). Bei der Versorgung septischer Wunden sind vor dem Anlegen neuer Verbände diese Handschuhe selbstverständlich zu wechseln. Die Polyäthylen-Handschuhe sind sehr preiswert sind und stellen keine nennenswerte Belastung des Klinikbudgets dar.

Bei stärkerer Beanspruchung im Rahmen von Patientenkontakten sind kräftigere Handschuhe z.B. aus elastischem Latex zu verwenden, die nach jedem Patientenkontakt im übergezogenen Zustand mit einem Desinfektionsmittel abgerieben werden können.

Desweiteren sollte in jedem Zimmereingang ein Desinfektionsmittel-Spender angebracht sein, damit nach Patientenkontakten ohne Handschuhe die Hände desinfiziert werden können. Dabei ist ganz wichtig, daß jeweils und immer eine Desinfektion nach dem Waschen der Hände erfolgt. Beim Waschen kommen nämlich die Keime aus der Tiefe der Hautkrypten an die Oberfläche der Haut, weshalb gerade nach dem Waschen die Keimzahl auf der Hautoberfläche steigt und es geraden dann erforderlich ist, die Hände zu desinfizieren, um die nach dem Waschen auf der Hautoberfläche vermehrt auftretenden Keime abzutöten, zumindest aber die Keimzahl drastisch zu vermindern.

Um einem vielfachen Einwand zu begegnen: es ist keineswegs nach jedem Patientenkontakt eine chirurgische Händedesinfektion wie vor  Operationen erforderlich. Es genügt in der Regel beim Arbeiten ohne Handschuhe das einmalige gründliches Händewaschen mit nachfolgender Desinfektion und jeweils weiterer Desinfektion nach jedem Patientenkontakt. Dabei ist das Vorbild des leitenden Arztes und der Oberärzte wesentlich, weil sonst die Hygieneregeln von den nachgeordneten Ärzten und dem Pflegepersonal nicht erst genommen werden. Im übrigen sind auch Chefärzte und Oberärzte keineswegs von Natur aus steril.

Während der Operation ist Sprechdisziplin einzuhalten, weil der Mundschutz umso durchlässiger wird, je feuchter er ist. Die eingehende und sachgerechte Kontrolle aller operativen Einrichtungen  - einschließlich der Lüftungsanlagen -  muß ständig sichergestellt sein. Es gab Fallgestaltungen, bei denen ausgerechnet die Bakterienfilter der Lüftungsanlage mangels hinreichender Wartung verkeimt waren und die Bakterien in den Operationssaal bliesen.

Wenn es trotz aller Vorsicht zur Infektion gekommen ist oder von vornherein ein septischer Eingriff ansteht, sollte "nicht gekleckert sondern geklotzt" werden. Wesentlich ist nach sachgerechter Indikationsstellung ein rechtzeitiger  - ggf. sofortiger -  und gezielter Gebrauch der Antibiotika.  Besteht die zeitliche Möglichkeit, dann ist die Antibiose nach Austestung auf Wirksamkeit vorzunehmen. Ist zuvor die Gabe eines Breitband-Antibioticum erforderlich gewesen, weil nicht gewartet werden konnte, sollte sofort  nach dem Ergebnis der Austestung auf das wirksamste Antibioticum mit der geringsten Nebenwirkung umgestellt werden.

Wenn die Richtlinien des Robert-Koch-Institutes und dessen Kommissionen zur Hygiene  - KRINKO: Krankenhaushygiene- und Infektionspräventions-Kommission sowie der neu gegründerten ART: Antiinfektive Resistenzlage und Therapie -  auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes durchgängig beachtet würden, könnte viel Unheil verhindert werden. Verschiedene Studien haben gezeigt, daß durch Beachtung der Hygieneregeln die Infektionsquoten um 10 - 55 % gesenkt werden konnten, wie z.B. durch die "Aktion saubere Hände". Gesetzliche Regelungen existieren nur in 7 Bundesländern. Jetzt sind Vorgaben des Bundes für alle Länder in Vorbereitung.

Die Ära der Antibiotica hat vielfach zu einer Vernachlässigung von Hygienevorschriften geführt, weil sich die Ärzte meinten, sich auf die Antibiose verlassen zu können. Die Ära der Antibiotica ist aber vorbei. Der Kampf gegen Killer-Keime droht verloren zu gehen. Um so wichtiger wird eine allgemeine gesetzliche Festschreibung und strikte Beachtung der Hygieneregeln durch Ärzte und Pflegepersonal, damit die Patienten künftig keine Angst mehr haben müssen, in Praxen und Kliniken mit gefährlichen oder gar tödlichen Keimen infiziert zu werden, die durch Ärzte und / oder Pflegepersonal übertragen werden.

Der wichtigste, effektivster und effizienteste Weg dazu wäre ein bundesweites Hygieneregister, das allgemeinverständlich veröffentlich wird und die Kliniken zwangsläufig zur strikten Einhaltung von Hygieneregeln veranlassen wird, weil die Klinken nach den DRG im Wettbewerb um Patienten stehen.