3. Arzthonorar nach Ergebnis

Kein Arzt kann beim gegenwärtigen Honorarsystem ein Interesse an der Gesundheit des einzelnen Patienten haben. Erst recht kann kein Arzt ein Interesse an der Gesundheit der Bevölkerung haben, denn Ärzte und Kliniken verdienen umso mehr, je mehr Menschen krank sind. Wir haben eine Medizin, die von der Krankheit lebt und teilweise sogar Krankheitsbilder erfindet, um davon noch besser leben zu können. Wären beim gegenwärtigen Honorar- und Finanzierungssystem unseres Gesundheitswesens alle Menschen gesund, würden alle Ärzte und Kliniken pleite gehen.

Der gegenwärtige Medizinbetrieb hat folglich ein finanzielles Interesse an einem möglichst hohen Krankenstand und ist ohnehin vielfach nicht in der Lage, die Menschen gesund zu machen, sondern nur länger krank zu halten. Der finanziell ergiebigste Patient ist der chronisch Kranke, der laufend ärztlicher Hilfe bedarf und dadurch laufend ärztliche Honoraransprüche auslöst.

Der Sachverständigenrat der konzertieren Aktion im Gesundheitswesen hat festgestellt, daß bei uns einerseits vielfach eine erhebliche Über- und Fehlversorgung besteht, die andererseits teilweise zu einer Unterversorgung führt, weil die durch Über- und Fehlversorgung verschleuderten Gelder dann für sinnvolle Maßnahmen in anderen medizinischen Bereichen fehlen. Das Wissenschaftliche Institut der Ortskrankenkassen (WidO) hat nachgewiesen, daß die Erkrankungshäufigkeit (Morbiditätsrisiko) der Bevölkerung ziemlich proportional mit steigender Arztdichte zunimmt, weil jeder Arzt durch Ausweitung der Leistungen die finanzielle Grundlage seiner Praxis sichern will. Böse Zungen behaupten, daß ein Gesunder ein Mensch sei, der nur noch nicht hinreichend untersucht worden ist.

Beim gegenwärtigen Aufwands-orientierten Honorarsystem werden nicht die korrekt arbeitenden sondern die unlauter arbeitenden Ärzte finanziell belohnt, die ohne Notwendigkeit (Indikation) - nicht selten gefährliche aber einträgliche - medizinische Maßnahmen an Patienten durchführen. Die Honorar- und Mittelzuweisung muß deshalb anstelle der Aufwandsorientierung künftig ergebnisorientiert erfolgen, damit der Arzt veranlaßt wird, den Schwer­punkt seiner ärztlichen Tätigkeit auf das Er­gebnis zu legen, nämlich im Erkrankungsfall auf eine zügige Heilung der Patienten und insbesondere auf eine echte Vorbeugung gegen Krankheiten.

Die Ärzte betreiben stattdessen vielfach eine unnötige - und für die Patienten nicht selten gefährliche - Leistungsausweitung zur Honorarsteigerung. Um diesen Mißstand zu beheben, fordern wir ein Grundgehalt für alle Ärzte, gestaffelt nach Qualifikation und eine Bonusregelung für gute Behandlungsergebnisse.

Bei der Prävention - also der echten Vorbeugung, nicht zu verwechseln mit der Früherkennung - versagen die Ärzte und sind auch persönlich kein Vorbild: es gibt in keiner anderen Berufsgruppe so viele Raucher, Trinker und Drogenabhängige wie unter Ärzten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommt in ihrer Untersuchung über die Effektivität der Gesundheitssysteme zu dem Schluß, daß das deutsche Gesundheitswesen nach den USA und der Schweiz die höchsten Kosten verursacht, aber beim Vergleich zwischen eingesetzten Mitteln und Ergebnis erst an 25. Stelle aller Staaten steht. Unser Gesundheitswesen ist angesichts dieser Ressourcen-Verschwendung eine Katastrophe.

Durch die strikte Trennung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung werden weitere Mittel verschwendet und neben unnötigen Doppeluntersuchungen auch unnötige stationäre Behandlungen verursacht, die ohne weiteres auch ambulant durchgeführt werden könnten.

Es fehlt insoweit auch an der freien Arztwahl, denn kein Patient kann für eine weiterführende ambulante Behandlung einen Kliniksarzt seiner Wahl bestimmen. Die in unserem Gesundheitswesen bestehende, weitgehende Abschottung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung ist weltweit einmalig. Dadurch soll einerseits die Pfründe der Chefärzte in den Kliniken und andererseits die Pfründe der niedergelassenen Ärzte in den Praxen gesund­heitspolitisch abgesichert wer­den.

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